Mayassa Kheder-Kasem

Mayassa Kheder-Kasem, 2019
Mayassa Kheder-Kasem, 2019 © Benjamin Ochse

Mayassa Kheder-Kasem
»Menschenrechte jesidischer Frauen und Kinder«

Ein Ausstellungsprojekt für TeachCom Edutainment kuratiert von Benjamin Ochse

Beim Angriff des islamischen Staats (IS) auf die Stadt Schingal und andere Orte im Nord Irak hatten die Terroristen tausende Jesiden verschleppt. Der IS trennte die Frauen und Kinder von den Männern. Die Männer wurden abgeführt und ermordet, die Frauen als Sexsklavinnen verkauft nur sehr wenige konnten so wie Mayassa und ihre Familie dem IS entkommen.

Myassas Bilder stellen die grundlegende soziale Ordnung infrage, sie zeigen Szenen von Krieg, Flucht, Vertreibung und Gefangenschaft sowie die grausame Gewalt gegen jesidische Frauen und Kinder. Sie stellen ihre ambivalenten Emotionen während des Malens dar. Durch ihre Bilder bewahrt Mayassa die Erinnerung an eines der düstersten Ereignisse der Jesiden in der jüngsten Geschichte. Die Werke sollen an den Genozid und die Gräueltaten des Islamischen Staat (IS) erinnern und die Welt auf das geschehene Unrecht aufmerksam machen und im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert bleiben. Für Mayassa gibt es keine Vorbilder, sie malt was sie auf ihrer Flucht gesehen, gehört und selbst erlebt hat.

Im Frühjahr 1995 wurde Mayassa Kheder-Kasem im Schingal im Norden Iraks in einer Familie eines Kaufmanns, als erstes von neun Kindern geboren von denen drei Kinder bereits früh starben. Schon als kleines Kind zeichnete sie gerne. Ihr erstes mit Anspruch gemaltes Bild – die Darstellung einer Szene aus jesidischer Überlieferung – fertigte sie als 17-jährige Schülerin 2012 mit Bleistift und Make-Up an. In ihrer Heimat hatte sie keinen Kunstunterricht in der Schule oder Zugang zur europäischen Kunstgeschichte. Ihr Erstlingswerk wurde zusammen mit dem Elternhaus im Krieg zerstört und existieren nur noch als Digitalisat. 2013 hatte sie gerade ihr Studium der Humanbiologie aufgenommen, als sie vor dem Krieg und dem IS am 3. August 2014, zusammen mit ihrer Familie über das Gebirge, die Türkei und später über die Balkanroute fliehen musste. Seit Anfang Januar 2016 lebt sie mit ihren engsten Angehörigen in Berlin. In dieser Zeit begann sie sich wieder zu malen. Durch die Malerei war sie in der Lage, ihre Eindrücke und Erfahrungen rund um die Schrecken des Krieges und unbeschreiblichen Gewalt, die sozialen Umstände in ihrem Heimatland und die Strapazen der Flucht zu verarbeiten. Mayassay tiefe Traurigkeit verfliegt und sie bekommt wieder Hoffnung, sobald sie malen kann. Dies zeigt sie in der Verwendung von sehr bunten Farben, auch wenn teilweise damit ernste Themen wie etwa Vertreibung oder Misshandlung dargestellt werden. Träume, Zuversicht und Inspiration visualisiert Mayassa in ihren Arbeiten. Sie bedient sich dabei einer breiten Themenpalette, die von Portraits, Landschaften und Tieren als Symbol über Religion und Politik bis hin zu Krieg, Gefangenschaft, Misshandlung, Vertreibung und Flucht reicht.

»Wenn ich male, macht meine Traurigkeit frohen Gedanken und Hoffnung Platz«, sagt Mayassa Kheder-Kasem: die 24 Jahre alte Mayassa ist Jesidin und floh wegen des Krieges im Nordirak mit ihrer Familie nach Berlin, wo sie seit Anfang 2016 lebt. Mit Malerei versucht sie, das kollektive Trauma aufzuarbeiten.
Ein Porträt von Marie Wildermann.

Zeitpunkte | rbb Kultur: Ausstellung: Die Jesidin Mayassa Kheder-Kasem.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), 2019

Mayassa Kheder-Kasem, 2019
Mayassa Kheder-Kasem, 2019 © Benjamin Ochse

Ihre Werke fertigt Mayassa mit Pinsel, Schwamm, Messer und ihren Händen als Werkzeug an. Als Trägermaterial verwendet sie meist Papier, Malerpappe oder Leinwand. Als Farben kommen Bleistift, Graphit, Buntstift, Acryl und Ölfarben, aber auch einfache Kugelschreiber zum Einsatz. In einem ihrer wichtigsten Bilder hat sie Verbandsmaterial wie Pflaster und Mullbinden eingearbeitet, das Material mit denen die Verwundeten des Genozid auf ihrer Flucht versorgt wurden.

Die Bilder von Mayassa erinnern an Edvard Munchs Bild »Der Schrei«, die »Pietà« von Käthe Kollwitz, an die Bilder der Kriegserlebnisse von Otto Dix oder Georg Groz, die Mayassa zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte, als sie ihre Kriegsbilder malte.