Marsha Burns

Dreamers © Marsha Burns
Dreamers © Marsha Burns

Marsha Burns » Looking Back «
Kuratiert von Benjamin Ochse
Eröffnung am 4. April um 19. Uhr
Vom 5. April bis 26. Mai 2019 im Haus am Kleistpark in Berlin.

Mit der Fotoausstellung Marsha Burns »Looking Back« präsentiert das Haus am Kleistpark eine in Berlin fast vergessene US-amerikanische Fotografin in unser Gedächtnis zurück. Marsha Burns war die einzige US-Fotografin, die 1984 im Rahmen der »Werkstatt für Photographie« an der VHS Kreuzberg von dem Dozenten und Fotografen Wilmar Koenig, zu einem Vortrag eingeladen wurde. Im Rahmen ihres Aufenthalts wurden ihre Arbeiten in einer Gruppenausstellung im Amerika Haus präsentiert, in dem sich heute mit C/O Berlin eine der bedeutendsten Fotogalerien Europas etabliert hat.

Während ihres Aufenthaltes in Europa entstanden zahlreiche Portraits mit ihrer Großformatkamera von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Subkultur. In ihrer Arbeit setzt sich Marsha Burns hauptsächlich mit der klassischen Bildnisfotografie auseinander, dabei inszenierte sie ihre Protagonisten mal im Ganzportrait oder im Brustbild in ihrem Fotostudio in New York, Seattle und in der Werkstatt für Fotografie in Kreuzberg. Burns arbeitet fast ausschließlich mit dem natürlichen Tageslicht, welches sie als einen integralen Teil in ihren Bildkompositionen durch unterschiedliche Licht- und Schatteneffekte mit einbezieht. Ihre männlichen und weiblichen Modelle präsentiert sie nackt, halb nackt oder angezogen in ihren Fotografien. In ihren Bildern arbeitet die Fotografin gerne mit klassischen Bildrequisiten wie in den Anfängen der Fotografie, mal ist es ein Postament oder eine große Glasscheibe, welche dem Modell zur Seite gestellt und in ihre Komposition mit Spiegelungen mit einbezogen wird, ihre Protagonisten positioniert sie dabei dicht vor einem meist neutralen hellen Hintergrund. Die Haltung und Gestik der Fotografierten werden von der Fotografin streng durchchoreografiert, hierbei wird die Rückbesinnung auf Kompositionsweisen aus der Malerei für das Fotobildnis deutlich. Ihre tiefsinnigen Bilder entstehen nicht in der 4 x 5 Inch (10,5 x 12,7 cm) Kamera oder sogar 20 × 24 (51 × 61 cm) Polaroid-Kamera, sondern zwischen der Fotografin und dem Modell in einem Abstand von 6-10 Fuß (180–300 cm) entfernt vom Negativ.

Postures © Marsha Burns
Postures © Marsha Burns

Burns schrieb über ihre Bilder »The people I choose to photograph are often those for whom negative or tragically simple attitudes have been formed by the majority of society,« … »In an age of technology and urbanization I am drawn to the boundaries, to people whose existence is self-defined«.

Marsha Bruns wurde 1945 in Seattle im US-Bundesstaat Washington an der Westküste geboren. Sie studierte von 1963–65 zunächst Freie Malerei an der University of Washington und von 1967–69 an der University of Massachusetts in Amherst. Ihre ersten Erfahrungen mit Fotografie sammelte sie 1963 in einem Fotokurs in Seattle, es sollte noch weitere sechs Jahre dauern, bis sie sich auf das Medium Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel vollständig einließ und die Malerei zurückstellte. Nach einigen Abstechern in südlichere US Bundesstaaten zog sie Mitte der 70er Jahre wieder zurück in ihre Geburtsstadt Seattle, wo sie zusammen mit ihrem Ehemann und Fotografen Michael Burns neben ihrer künstlerischen Fotoarbeit gelegentlich auch kommerzielle Aufträge annahm.

Zahlreiche Werke von Marsha Burns befinden sich heute in Sammlungen und Institutionen wie dem Museum of Modern Art, Metropolitan Museum, Smithsonian American Art Museum, Stedelikik Museum in Amsterdam, Centre Pompidou, Center for Creative Photography an der Universität in Arizona in Tuscon, Seattle Art Museum und weiteren Museen und zahlreichen Privatsammlungen in den USA und Europa.

Bibliografie (Auswahl)

  • Beyond Soap, Water, and Comb. A Man’s Guide to good Grooming and Fitness. Photography by Marsha Burns. Abbeville Press New York, 1998
  • Frauen sehen Männer. Eine Anthologie, Weiermair, Peter. Kilchberg / Zürich. Edition Stemmle, 1995
  • The making of a collection. Photographs from the Minneapolis Institute of Arts Millerton, N.Y.: Aperture, 1984
  • Postures: The studio photographs of Marsha Burns. The Friends of photography, 1982

Ihre Arbeiten werden erstmals seit 1984 in Deutschland vom 4. April bis 26. Mai 2019 im Projektraum im Haus am Kleistpark in Berlin präsentiert.