Mit Licht zeichnen Fotografien von Efraim Habermann

Mit Licht zeichnen – Efraim Habermann

»Mit Licht zeichnen«
Fotografien von Efraim Habermann
von Benjamin Ochse | 10. April 2018

Fotografie – Griechisch Phos: Licht, Helligkeit
Graphie: Zeichnen, Malen, Schreiben
Efraim zeichnet mit Licht.

Einleitung / Prolog

Lieber Efraim Habermann,
Sehr geehrte Bezirks Stadträtin Frau Heike Schmitt-Schmelz,
Sehr geehrte Frau von der Lieth,
Sehr geehrte Damen und Herrn,

als ich das erst Mal die Fotografien von Efraim Habermann sah, war ich positiv überrascht von der Linienführung in seinen Fotografien.
Das war für mich wie »mit Licht zeichnen«. Ich sah mir stundenlang seine Bilder an, ohne den Künstler persönlich je getroffen zu haben. Das war wichtig für mich, um mir ein neutrales Bild von seinen Arbeiten machen zu können. Später las ich über den Künstler in Ausstellungskatalogen, Zeitungsberichten und hörte ein paar Geschichten von einem gemeinsamen Freund und Fotografenkollegen.

Um so mehr war ich überrascht, als ich ihn dieses Frühjahr persönlich kennenlernen durfte und dabei einen sehr charmanten, freundlichen und lebensfrohen Mann traf. Einen Mann im sehr elegantem Mantel, Anzug und Krawatte, dem man keineswegs anmerkt, dass er in seinem Leben durch dick und dünn gegangen ist. Da traf ich auf einen gottesfürchtigen Berliner Israeliten, der einen scharfen und wachen Verstand und einen wunderbaren Humor besitzt. In langen Gesprächen erzählte er mir von seinem Leben, seiner Arbeit und was für ihn die Fotografie, Farbe, Musik oder Heimat bedeutet. Wir sprachen über seine Religion und Glauben, Geschichte, hohe Mauern und natürlich über seine Bilder. So lernte ich den großartigen Menschen und Fotografen kennen und schätzen.

Ich danke daher ganz besonders Efraim Habermann für das große Vertrauen, dass er mir entgegen gebracht hat, seine Ausstellung zu seinem 85. Geburtstag hier in der Kommunalen Galerie Berlin zu kuratieren.

Biografie
Geboren wurde Efraim als Freddy Habermann, (erst später nannte er sich Efraim), am 19. Juni 1933 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin. Sein Lebensweg war dramatisch und ist geprägt von vielen Rissen und Umwegen. Efraim Habermann wuchs als Sohn des jüdischen Schuhgeschäftsbesitzers Gerhard Habermann im Berliner Bezirk Mitte auf. Mit seinen beiden jüdisch liberalen Eltern besuchte er Freitags die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße im alten Scheunenviertel. Das sehr große und prächtig ausgestattete Gebetshaus in Berlin Mitte muss ihn schon früh beeindruckt haben. Nach der Machtergreifung der Nationalsoziallisten wurde sein Vater gezwungen, sein Geschäft aufzugeben und fortan weiter seine Familie als Bauarbeiter zu versorgen. Durch die spätere Tätigkeit des Vaters im »Palästina Amt«, die Vertretung der Zionistischen Weltorganisation, und durch glückliche Umstände konnte die Familie im November 1939 über Triest nach Palästina flüchten. Alles was sie mitnehmen durften, musste in einen einzigen Koffer passen. Sein Blechspielzeug und seine geliebten Großeltern musste er in Deutschland zurücklassen. Die Großeltern und viele Familienangehörigen wurden von den Nazis im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Die Familie war der neuen Situation und des hebräischen und der arabischen Sprache in Palästina nicht mächtig und so stand der Anfang in Palästina unter keinem guten Stern. Das Leben in dem unbekannten fremden Land war hart und schwierig. Seine Mutter Ilse starb bereits nach nur einem Jahr 1940 im Exil an Tuberkulose, Efraim wurde in einer Gastfamilie untergebracht. Er begann nach Beendigung der Schule eine Ausbildung als Feinmechaniker und Technischer Zeichner. Nach der Staatsgründung Israels 1948 absolvierte er mit 18 Jahren den Militärdienst beim Bodenpersonal der Luftwaffe als Technischer Zeichner. In dieser Zeit entwickelte Efraim sein Gespür für Perspektiven und Proportionen sowie das Grafische und Konstruktive für seinen späteren Arbeiten. Es erstanden erste sensible Zeichnungen und farbige Bilder – seine Perlen, wie er es gerne betont. Sein Vater fand in Israel eine neue Frau und heiratete 1942 erneut, Efraim bekam 1945 die Schwester Mali. Nach dem Militärdienst war er in Südisrael als Bauzeichner im Siedlungsbau tätig.

Bereits Anfang der 50er Jahre kehrte die Familie ohne Efraim nach Berlin zurück, in ein Land, in dem fast sämtliches jüdisches Leben ausgelöscht wurde. Seine Eltern gründeten ein Schuhgeschäft in Berlin-Steglitz, das Geschäft konnte sich aber nicht lange halten. Sein schwer krankte Vater verstarb bereits 1956. Efraim reiste Ende 1957 nach Berlin, die Stadt war nicht mehr dieselbe die er 1939 verlassen hatte. Er hatte eigentlich geplant mit seiner Familie nach Israel zurückkehren. Seine Heimat Israel sollte er aber erst über 20 Jahre später, 1980 für eine Ausstellung im Goethe-Institut in Tel Aviv wiedersehen. Anfangs wohnte er im Stadtteil Moabit bevor er später nach Wilmersdorf in eine kleine Wohnung in die Fasanenstraße umzog.Durch die Stadt bewegte er sich fast sein ganzes Leben lang mit einem Herrenrad, einen Führerschein hatte er nie gemacht.
Nach einem kurzen beruflichen Abstecher in die freie Wirtschaft fand Habermann 1959 eine Anstellung als Zeichner in der Senatsbauverwaltung für Bauen und Wohnen. Gerne wäre er Opernsänger geworden, aber für ein Musikstudium bezeichnete er sich selber als »zu faul« und als einen zu »bequemen Menschen«.

Mit Licht zeichnen
Mitte der 60er Jahre kaufte Habermann sich eine erste Coronet Rollfilm-Kamera und beschäftigte sich autodidaktisch intensiv mit der Fotografie. Sein Bilder sind künstlerisch dokumentarisch wie seine Grafiken und Zeichnungen. Seine exakte Linienführung und kontrastreichen Aufnahmen machen seine persönliche Handschrift unverwechselbar. Vorbilder gab es für ihn keine in der Fotografie, nur bei den französischen impressionistischen Malern wie Claude Monet. Habermann lernte das Entwickeln von Filmen und Vergrößern seiner Schwarzweiß-Negative im eigenen Fotolabor. Er war immer darauf bedacht, die Kontrolle über seine Arbeiten und Ergebnisse zu behalten. Er selber spricht von einer »Grammatik« in seinen Fotografien. Mit der Kamera reduzierte er seine dreidimensionale Umwelt auf einen zweidimensionalen Schwarzweißfilm und weiter auf hochwertiges Fotopapier. Die Farbe behielt er für seine Aquarelle und Grafiken vor, denn nur da war es ihm möglich, die Farbe in vollem Umfang so zu kontrollieren, wie er es für sinnvoll hielt. Nur einmal hatte er für einen Berlin Fotoband in Farbe gearbeitet. Für seinen Schwarzweiß-Fotografien bevorzugte er von Anfang an das grobkörnige Filmmaterial. Das Filmkorn und matte Fotopapier lässt seine Fotos poetischer, leichter und weicher erscheinen. Er selber sagt dazu: »Ich bin ein Realromantiker«. Zudem war der von ihm verwendete 400-ASA-Film schneller und lichtempfindlicher, daher universeller und auch ohne Blitzlicht einsetzbar. Alle Motive wurden mit seiner Leica und einem 50 mm Objektiv aufgenommen und selten aus großer Entfernung. Ein weiteres Kennzeichen seiner Fotografien ist das Querformat in der Größe 30 x 40 cm, nur selten finden sich ein Hochformat in seinen Arbeiten, nur in seinen farbigen Aquarellen bevorzugte er meist das Hochformat.

Bilder aus der Ausstellung »Mit Licht zeichnen« von Efaim Habermann © Benjamin Ochse
Bilder aus der Ausstellung »Mit Licht zeichnen« von Efraim Habermann © Benjamin Ochse

Einen ersten Erfolg konnte Habermann 1968 erzielen, als der Tagesspiegel eine Fotografie von der Neuen Nationalgalerie von ihm veröffentlichte. Die Redaktion war angetan von seiner Themenauswahl und subjektiven Ansichten, es sollten in den folgenden Jahren weitere Bilder von ihm veröffentlicht werden. Er fotografierte nie aus dem Bauchgefühl heraus, seine Motive und Bilder waren immer wohl überlegt. Damals war die Fotografie noch analog und die Filme nicht unendlich und preisgünstig. Einige seiner Arbeiten konnte er an seinen Arbeitgeber in der Senatsverwaltung und an Kommunalen Kultureinrichtungen verkaufen. Weitere Abnehmer seiner freien Fotografien wurden das Spandauer Tageblatt, die Welt oder die Berliner Morgenpost. Neben der Fotografie geht er gerne in die Opernhäuser der Stadt, um seiner zweiten Leidenschaft, der Oper, nach zugehen. Wie sein großes Malervorbild, der französische Impressionist Paul Cézanne, wollte er in seiner Fotografie frei sein und hat daher selten als Auftragsfotograf gearbeitet. In den folgenden Jahrzehnten wurden seine Werke in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert und von Fotokunstsammlern ankauft.
Einleitung zur Ausstellung

Zu seinem 85. Geburtstag zeigt die Kommunale Galerie Berlin bisher weniger bekannte Fotografien aus seinem privaten Bestand und der Sammlung des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf.

Bilder aus der Ausstellung »Mit Licht zeichnen« von Efaim Habermann © Benjamin Ochse
Bilder aus der Ausstellung »Mit Licht zeichnen« von Efraim Habermann © Benjamin Ochse

Jüdisches Leben
Habermann nutzte eine Gelegenheit noch vor dem Mauerfall, den Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee zu besuchen, dort entstanden Aufnahmen im künstlerisch dokumentarischen Still. Der Friedhof wurde primär in der Zeit zwischen 1827 und 1880 für rund 22.800 Einzel- und 750 Erbbegräbnisse genutzt, in dieser Zeit entstanden erste kleinere klassizistische Friedhofsbauten. Er ist der älteste noch erhaltene jüdische Friedhof Berlins, bis 1880 wurden auf ihm alle in Berlin gestorbenen Juden beigesetzt. Mit dem aufkommenden Bürgertum und der Industrialisierung veränderte sich die Friedhofskultur. Die bisher vorherrschende einheitliche jüdische Begräbniskultur mit einfachen Grabsteinen passte sich den kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen an. An der Schönhauser Allee entstanden nun Grabstellen von sehr unterschiedlichem Aussehen. Sie spiegelten vielfach die gesellschaftliche Stellung und den materiellen Wohlstand einer Person oder einer Familie wieder und passten sich dem Zeitgeist an. Auf jüdischen Friedhöfen gehört eine Grabpflege nicht unbedingt zur Tradition, die meisten Gräber sind überwachsen mit Brombeeren und Efeu, aus einigen Grabanlagen waren große 10 bis 15 Meter hohe Bäume gewachsen und haben die alten Grabplatten teilweise angehoben.

Habermann schuf in der Abgeschiedenheit des Friedhofs aus einem verwilderten Ort der frommen Kontemplation einen Vorraum des Jenseits im Diesseits. Diese Entfremdung geschah mit einfachen formalen Mitteln. Habermann arbeitete in Bildparallelen unverbundene Raumschichten heraus, nutzte die senkrechten hohen Bäume zu einer neuen Ebene. Seine Bilder zeugen von einem konzentriertem Nachsinnen in einem kontemplativen Prozess. Der Betrachter seiner Fotografien spürt seine tiefe emotionale Berührung für den Ort.

Friedhof Weißensee
Dem Friedhof Weißensee näherte sich Efraim Habermann in seinen Bildern mit einem vorsichtigen Abtasten der Gebäude und des Gelände mit seiner Kamera. Anfangs zeigt er nur Ausschnitte und Fragmente, bis er sich den Grabreihen und einzelnen Gräbern mit ihren Inschriften nähert. Der Tod war ihm schon immer fremd und unheimlich, der Friedhof war für ihn nie ein Ort des Verweilens.

Große Synagoge
Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin Mitte besuchten bereits schon seine Eltern und Großeltern. Jeden Freitag ging die Familie mit ihm gemeinsam zum Gebet, der große Saal der Hauptsynagoge war prächtig und bot Platz für 3.000 Besucher.

Theodor Fontane schrieb über die Synagoge: »Wer sich für die architektonischen Dinge interessiert, für die Lösung neuer, schwieriger Aufgaben innerhalb der Baukunst, dem empfehlen wir einen Besuch dieses reichen jüdischen Gotteshauses, das an Pracht und Großartigkeit der Verhältnisse alles weit in den Schatten stellt, was die christlichen Kirchen unserer Hauptstadt aufzuweisen haben.«
Ein Jahr vor Habermanns Flucht nach Palästina wurde das Gotteshaus von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt. Was die Nazis dank eines pflichtbewussten Polizisten nicht vollendenden konnten, wurde bei einem Luftangriff 1943 weiter zerstört. Nach dem Krieg diente die Ruine zunächst als Lieferant für Baumaterial. Die endgültige Zerstörung im Jahr 1958 wurde mit der Begründung der Einsturzgefahr vollendet. Von den Resten der zerstörten Synagoge zeigt Habermann die Narben, Verletzungen. Sie lassen die Erinnerungen an die finstersten Tage der deutschen Geschichte den Betrachter wieder bewusst werden und sind ein mahnender Aufruf an folgenden Generationen.

Bandwände
Brandwände gehörten zum Berliner Stadtbild der Nachkriegszeit wie die Märkische Kiefer zu Brandenburg. Es gab wohl kaum einen Hinterhof oder Straße in der man diesen meist 22 Meter hohen Mauerwänden in der Stadt nicht begegnete. Lange waren sie noch mit den Einschusslöchern und Spuren des Krieges zu sehen. Es gab sie in roten, gelben oder grau-gelben Ziegeln – je nachdem, aus welchem Material die Steine gebrannt wurden. Manche wurden im Laufe der Zeit von Efeu überwuchert und die Spatzen fanden darin ein gemütliches Zuhause. In einigen von ihnen kann man die Strukturen und die Architektur der anliegenden Häuser erkennen, wie nach einer archäologischen Grabung werden zugemauerte Fenster, Durchgänge, Anbauten von ehemaligen Pferdeställen, Rauchabzüge, alte Werbegrafiken sichtbar. Andere wiederum wurden neu verputzt oder bekamen nachträglich eingebaute Fenster. Die Brandwände und Maueransichten sind wohldurchdachte Kompositionen, gerade, kaum verzerrt, immer den perfekten Bildausschnitt im Blick. Der Fotograf machte die Materialität, die Struktur und das Baumaterial optisch fühlbar: Die Zielgesteine, die vor über 100 Jahren einzeln von Hand geformt, erst mit dem Schiff und danach mit Lastkarren zum Bauplatz nach Berlin transportiert und verbaut wurden.

Venedig
1978 fuhr er das erst Mal mit der Bahn nach Venedig.
Wie zahlreiche Künstler vor ihm war Habermann von der Wasserstadt gefesselt und berührt. Der britische Fotograf John Ruskin (1819–1900) war vor 160 Jahren der erste, der Venedig auf Daguerreotypien festhielt. Er schrieb über die Stadt: »Ich werde mich bemühen, die Linien dieses Bildes zu zeichnen, bevor es für immer verloren geht, und, soweit es mir möglich ist, die Warnung zu erfassen, die mir jede einzelne dieser siegreichen Wellen auszusprechen scheint, die unerbittlich, wie die Schläge einer Totenglocke gegen die Steine von Venedig schlagen.«

Zu Habermanns Glück wurde Venedig von Napoleon und später in den beiden Weltkriegen weitestgehend verschont. Er besuchte und fotografierte über viele Jahre hinweg die Lagunenstadt mit gekonnter Präzision für Komposition und dem richtigen Tageslicht. Im Laufe der Jahre entwickelte er eine »innere Neigung« zu der Stadt, die in seinen Bildern zum Ausdruck kommt. Er zeigt ihre Schönheit auch an Stellen, wo ihre Vergänglichkeit durch den Verfall bereits klar zum Ausdruck kommt. Durch das Wasser und die zahlreichen Kuppeln wurde die Stadt für ihn »zu einem femininen« Ort. Er zeigt selten Panoramen oder ganze Plätze, meist sind es Ausschnitte und Einblicke, die er fotografierte. Dabei richtete sich sein zeichnerischer Blick immer wieder auf die Strukturen und unterschiedlichen Oberflächen des alten Baumaterials. Licht und Schatten erzeugen bei ihm hohe Kontraste. Horizontale und gerade Linienführung bestimmten sein fotografisches Denken, selten sieht der Betrachter in seinen Bildern diagonale Linien oder runde Formen.

Frauen im Bild und Frauenportraits
Durch das Gemälde »Das Frühstück im Grünen« von Édouard Manet, das Efraim bei einem Besuch in Paris 1983 für sich entdeckte,2 wurde er für sein Thema »Frauen im Bild« inspiriert. Er positionierte, ihm meist unbekannte Frauen vor bekannten Bildern der Kunstgeschichte in Museen und Ausstellungen und fügte sie zu einer Art Collage in seinen Bildern zusammen. Daneben entstanden weitere Frauenportraits, meist auf der Straße, denen Habermann beim Fotografieren und später in der Dunkelkammer eine gewisse Sinnlichkeit entlockte. Habermanns sensible Frauenbilder entstanden durch ein Zusammenspiel von sinnlicher und optischer Tiefenschärfe und weichem Tageslicht. Eine schöne Frau positionierte er dafür vor einem interessanten, zumeist malerischen Hintergrund, und fotografierte sie mit seiner Leica und einem 50 Millimeter-Objektiv. In seinem Fotolabor entwickelte er seine Filme und die Abzüge auf mattem Fotopapier mit einem hohen Kontrast, nur dadurch konnte er seinen Bildern die nötige Farbtiefe geben.

Nationalgalerie
Mit einer Fotografie der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum 1968 begann für Efraim Habermann seine Karriere als Fotograf. In der Serie spielte er mit Licht und Schatten, mit der Konstruktion des Gebäudes und nutzte dabei das natürliche Sonnenlicht optimal aus, für Spiegelungen und scherenschnittartige Kompositionen. Oft entstanden dabei scharf umrissene schwarze Silhouetten von Skulpturen und Ausstellungsbesuchern, die er mit dem Gebäude oder der Kunst in Verbindung bringt. Auch in diesen Bildern wird die konstruktive grafische Denkweise sichtbar.

Stadtansichten
In den Stadtansichten fand Habermanns grafisch geschultes Auge intuitiv die richtige Komposition und Bildausschnitt. Seine Bilder werden durchzogen von horizontalen und vertikalen Linien Formen und von Licht und Schatten. Er bevorzugte die Kontraste, wechselte in seinen Motiven zwischen hart und weich und zwischen den unterschiedlichen Baumaterialien.

Wasseransichten
Seine Wasseransichten und Wasserspiegelungen lösen sein sonst so konstruktives Bilddenken fast auf. In den Spiegelungen von Gebäuden, Mauerresten und Brücken im Wasser werden die Konstruktionen durch die Wellen verflüssigt und malerisch fast bis zur Unkenntlichkeit aufgelöst. Seine romantischen liquiden Bildmotive werden nur ab und zu durch ein vorbeifahrendes Frachtschiff unterbrochen.

Bilder aus der Ausstellung »Mit Licht zeichnen« von Efaim Habermann © Benjamin Ochse
Bilder aus der Ausstellung »Mit Licht zeichnen« von Efraim Habermann © Benjamin Ochse

Stillleben und Impressionen
Habermanns Stillleben entstanden meinst in einem Moment der Ruhe und Zurückgezogenheit. Es sind Stillleben wie das mit einer Klappkarte von Rembrandt  »Jeremia beklagt die Zerstörung Jerusalems« zusammen mit einer alten Hebräischen Bibel auf einem runden Holztisch mit einem Holzstuhl einfach und minimalistisch in der Komposition, aber dennoch mit viel Inhalt aufgeladen. Seine Stillleben laden zum Nachdenken ein. So auch die leere Waagschale in der Hand vor einer großen Wandfläche liegend oder die Feinwaage mit einem Kerzenleuchter in einer Hausecke auf dem Boden. Zu den Bildern gehört auch eine Aufnahme von einem Wasserhahn mit laufendem Wasser, welches in einem Becken aufgefangen wird, bevor es überläuft – das Bild ist zu schön, um Anstalten zu machen, den Hahn abzudrehen zu wollen. Kleine Allegorien finden sich immer wieder in seinen stillen Aufnahmen.

Sommer am See
Die beiden »Sommer am See«, strahlt Ruhe und Dynamik und zugleich Sehnsucht und eine gewisse Leere aus. Die sommerliche Seenlandschaften, könnten aus einem englischen Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert entnommen sein könnte. Ein Motiv mit einem Ruderboot von alten Bäumen fast verdeckt, das andere Bild zeigt ein Strandbad auf der anderen Seite eines Sees mit Badenden, bei dem sich der Betrachter schnell eine Vorstellung davon machen kann, wie der Lärm, das Idyll, des sonst so still anmutenden Seebildes jäh unterbricht.

Grafiken und Aquarelle
Zum Schluss zeigt die Kommunale Galerie Habermanns klar strukturiert und komponierten Grafiken und Aquarelle. Seine Farben sind immer kontrastreich in der Gegenüberstellung. Die Linien gerade und die Formen klar, bestehend einfach konstruiert aus Rechtecken, Kreisen, Quadraten und Linien, meist auf hellem Grund und fast immer im Hochformat angelegt. In den konstruktiven farbigen Aquarell-Arbeiten hat er sich durch das Bauhaus von Künstlern wie Laszlo Moholy Nogy oder Wassily Kandinsky inspirieren lassen aber auch durch Paul Cézanne beeinflussen lassen.

Habermans Markenzeichen
Das besonderes Markenzeichen seiner Abzüge ist seine Signatur auf den Bildern. Habermann versteckt sich nicht mit seinem Namen auf der Rückseite oder am unteren rechten Rand in der Ecke eines Bildes, wie viele seiner Künstlerkollegen. Nein, Habermann hat ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und setzt seinen Namen gerne auch mal in die mitten des Bildes – dazu gehört schon ein gewisser Mut.

Es war der berühmte italienische Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio,
der es als einer der Ersten wagte, seine Signatur auf die Vorderseite seines Gemäldes zusetzen. Nicht nur dies, auf dem Gemälde die »Enthauptung Johannes’ des Täufers« findet sich seine Signatur gleich in dem gemalten Blut des Märtyrers und wollte sich mit ihm damit gleich stellen.

Ganz so dramatisch ist es bei Habermann zum Glück nicht – aber mutig ist er bestimmt.

Fast am Ende seiner Schaffenszeit befinden sich heute die meisten seiner Arbeiten in privaten und öffentlichen Sammlungen, so dass wir hier nur eine kleine Auswahl davon präsentieren können.

Gästebucheintrag in der Ausstellung »Mit Licht zeichnen« von Efaim Habermann in der Kommunalen Galerie Berlin Benjamin Ochse
Gästebucheintrag in der Ausstellung »Mit Licht zeichnen« von Efraim Habermann

Kuratorenführung
Sonntag, 24. Juni 2018, 11 Uhr
Sonntag 8. Juli 2018, 11 Uhr

Franz Wilhelm Kaiser und Kathrin Baumstark (Hg.): John Ruskin : Venedig. Stadt der Künstler, Ausst.-Kat.,S. 43. Hirmer Verlag, 2016)
Habermann,Efraim: Fotografien von 1968-1998, S. 71, Kunstamt Wilmersdorf, Berlin, 1998