Hotel 1000 Sterne

Hotel 1000 Sterne ist das Thema einer dokumentarischen Arbeit, in der ich die Armut in Europa darstelle. In der Serie werden Fotos gezeigt, die auf einer Schiffsreise von September bis November 2011 rund um Europa in verschiedenen Städten und danach bis 2013 in Berlin entstanden sind.

 

Hotel 1000 Sterne  © Benjamin Ochse

Die Fotoausstellung

In der dokumentarischen Fotoarbeit »Hotel 1000 Sterne« beschäftige ich mich mit der Situation von Obdachlosen und ihren Not-Behausungen in Europa. Auf meiner Recherchereise auf einem Kreuzfahrtschiff rund um Europa im Herbst 2011 sind sie in vielen Städten direkt vor mir aufgetaucht, ohne dass ich sie suchen musste. Sie waren überall, lagen vor mir, mal zurückhaltend kaschiert, dann wieder klar ersichtlich und offen. Ich fragte mich, ob ich vorher meine Augen vor ihnen verschlossen, oder wie ich sie aus meinem Bewusstsein weggefiltert hatte. Sie besaßen wenige Habseligkeiten, manchmal sorgfältig und unauffällig zusammengelegt in einem Einkaufswagen oder in einer Tasche verpackt. Anderenorts waren sie sofort erkennbar durch ihre Lager, in denen sie lebten, mit denen sie eine Art Territorium für sich absteckten und damit ihren Claim anzeigten. Manche leben wie Stadtnomaden auf Parkbänken, oder versteckt hinter Stromverteilerhäuschen, Brücken oder Unterführungen. Andere sind in Gruppen nahezu sesshaft unter Bahnbrücken, ähnlich einer Wohngemeinschaft, da kochen sie gemeinsam auf einem Grill. Im Winter 2012 gab es bis Anfang Februar über 160 Kälteopfer in Europa. In Berlin war ein Obdachloser mit seinem Hund in einer Baracke am Gesundbrunnen verbrannt, weil er sich vor der Kälte bei bis zu -15C° mit einem Feuer schützen wollte.

Bei Wikipedia fand ich nachfolgende Begriffserklärungen »Eine Unterkunft (auch: Obdach, Bleibe) ist eine geschützte Stelle (Gebäude, ein Zelt oder ein Fahrzeug), das zumindest dem Übernachten dient. Die meisten Unterkünfte dienen dem Wohnen.« und weiter »Obdachlosigkeit« wird definiert als ein Zustand, in dem Menschen über keinen festen Wohnsitz verfügen und im öffentlichen Raum, im Freien, in Hospitalen oder in Notunterkünften übernachten. »Platte machen« oder »schieben« oder »auf Platte sein« bezeichnet umgangssprachlich, z. B. in Parkanlagen, auf Bänken, unter Brücken, in Hauseingängen, Baustellen oder Bahnhöfen zu nächtigen. Der Begriff »Obdach« bedeutet Unterkunft oder Wohnung.

In meiner Arbeit geht es nicht um die obdachlosen Menschen als Protagonisten, sondern wie sie sich in einer für sie feindlichen urbanen Umgebung mit möglichst einfachsten Mitteln auf lange Sicht behaupten können. Ich zeige, mit wie wenig Mitteln Obdachlose im Alltag auskommen und wie sie sich vor der Umwelt schützen, wie sie sich ein Minimum an Privatsphäre schaffen mit den wenigen Dingen, die sie noch besitzen.

Die Serie soll auf das Schicksal von Menschen, die auf der Straße leben aufmerksam machen, ohne sie selbst dar- und bloßzustellen. Sie soll zum Nachdenken anregen, die eigene Situation und die der Anderen, die auf der Straße ums Überleben kämpfen, reflektieren.

Fotoausstellung in der Caritas Galerie Berlin
Residenzstraße 90, 13409 Berlin
21. November 2013 – 7. Februar 2014