Arbeiten von Hildegard Ochse in der Ausstellung Kreuzberg – Amerika . Werkstatt für Photographie 1976–1986 bei C/O Berlin im Amerika Haus © Benjamin Ochse
Arbeiten von Hildegard Ochse © Benjamin Ochse

First and Last – Anfang und Ende

Fotografien von Hildegard Ochse zum 20. Todestag
Kuratiert von Benjamin Ochse
Ab 16. Juni 2017 @ Photoplatz c/o Little Bogota Berlin

Hildegard Ochse durfte 1952 mithilfe eines Begabtenstipendiums für ein Jahr in die USA reisen. Im Sommer schiffte sie sich auf dem schnellsten Ozeanliner der Welt, der SS United States, von Le Havre in Frankreich in Richtung New York ein. Mit auf der Reise hatte sie eine neue Fotokamera, ein Geschenk ihres Vaters Peter Römer, die sie durch die USA begleiten sollte. In ihrer neuen Wahlheimatstadt Rochester im US-Bundesstaat New York lebte sie bei der Familie eines leitenden Chemikers der Eastman Kodak Company. Ihm hatte sie es vermutlich zu verdanken, das sie sehr schnell ihre eigenwillige und bemerkenswert subjektive Sichtweise in beachtenswerte Fotoaufnahmen umsetzen konnte. Sie setzte sich mit unterschiedlichen Bildthemen kompositorisch gekonnt auseinander. Aus einer kleinen Provinzstadt im Nachkriegsdeutschland kommend, sah sie viele Dinge in den USA anders als die meisten ihrer Zeitgenossen.

Skyline von New York © Hildegard Ochse, 1953
Skyline von New York © Hildegard Ochse, 1953

In New York sah sie das erste Mal Wolkenkratzer, farbige Nachfahren einstiger Sklaven, bittere Armut, von Menschen überfüllte Strände auf Coney Island und in Rochester »the American way of life« sowie die Niagarafälle. So entstanden die nun präsentierten frühen Aufnahmen, sowie eine ihrer letzten Arbeiten »Normandie« von 1991. Sie handelt vom Leben an der Küste, von Fischern, Felsen, Pferdezüchtern, Urlaubern, Bunkerresten aus dem Weltkrieg und Kühen in Nordfrankreich. Was diese Bilder ausmachen, sind ihre besondere Stimmungen, die unterschiedlichen Betrachtungsebenen und Metaphern, die Hildegard Ochses Fotos unverwechselbar machen.

Fischer in der Normadie © Hildegard Ochse
Fischer in der Normadie © Hildegard Ochse, 1991

Obwohl dem Dokumentieren verpflichtet, hat sie nie allein die Oberflächen fotografiert, sondern immer auch das, was sich wesentlich hinter dem primär Sichtbaren verbirgt. Hildegard Ochse starb nach langer Krankheit im Sommer 1997 in Berlin.